Dmitri Buchenkov

Geboren 1978

Doktor der Politikwissenschaft, Stellvertretender Leiter für wissenschaftliche Arbeit des Lehrstuhls für Geschichte der Medizin und Sozial- und Geisteswissenschaften der Russischen Staatlichen Medizinischen Universität, der Anarchist Dmitri Buchenkov wurde zum 35. Verfolgten der Bolotnaja-Prozess.

Dmitri Buchenkov wurde am 2. Dezember 2015 nach der Durchsuchung in der Wohnung seiner Freundin verhaftet. Sie sagte, dass sie an diesem Tag ihre Verlobung haben sollten. Die Durchsuchung dauerte mehrere Stunden, nach der Buchenkov vom Zeugen zum Angeklagten wurde. Er wurde zur Vernehmung in eine ungewisse Richtung weggefahren und die Verwandten haben mit ihm jeglichen Kontakt verloren. Bei der Vernehmung wurde eine Konfrontation mit dem OMON-Beamten (OMON, „Mobile Einheit besonderer Bestimmung“, ist eine Einheit der russischen Polizei) durchgeführt, der in Buchenkov sofort den Menschen erkannt hat, der ihm damals Widerstand geleistet hat – obwohl schon dreieinhalb Jahre vergangen sind und der Polizeibeamte damals einen Helm trug. Gleichzeitig fanden Durchsuchungen in der Wohnung seiner Eltern in Nischni Nowgorod statt. Und schon am 3. Dezember 2015 hat das Moskauer Basmanny-Gericht ihm als verfahrenssichernde Maßnahme der zwei-Monats-Haft bestimmt.  

Ihm wurde die Anklage laut Artikel 212 Absatz 2 StGB RF (die Teilnahme an Massenunruhen) und Artikel 318 Absatz 1 StGB RF (Gewaltanwendung gegen Staatsvertreter) vorgeworfen. Ihm droht die Freiheitsentziehung auf bis zu 8 Jahre. Die Verhandlung seines Falls geht weiter.

Laut der Anklage hat Buchenkov am 6. Mai 2012 auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau mobile Toilettenkabine umgekippt, Gas aus einer Sprühdose versprüht, Polizeibeamte geschlagen und Gegenstände nach ihnen geworfen. Dabei besteht Buchenkov darauf, dass er bei der Protestaktion gar nicht anwesend war, sondern in der Oblast (= Gebiet) Nischni Nowgorod war. Die Verteidigung verweist auf das Foto aus den Akten, wo ein Mensch abgebildet ist, der Buchenkov nicht besonders ähnelt. Die Untersuchungsbeamten bestehen aber darauf, dass es genau Buchenkov ist, obwohl die anderen Fotos, die den Akten nicht angeschlossenen sind, zeigen, dass es verschiedene Leute waren. Es gibt auch weitere Beweise dafür, dass Buchenkov am 6. Mai nicht auf dem Bolotnaja-Platz anwesend war.

Seine Verwandten gaben Zeugenaussagen, die seine Unschuld beweisen, ab. Laut seinem Vater Jewgeni Buchenkov ist Dmitri am 6. Mai spät am Abend nach Nischni Nowgorod gekommen und am nächsten Tag ist er mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Schwester ins Landhaus in der Oblast Nischni Nowgorod gefahren.

Die an der Aktion auf dem Bolotnaja-Platz beteiligten Anarchisten streiten ab, dass Buchenkov bei dem Marschieren erscheinte oder bei den Zusammenstößen mit der Polizei dabei war.

Laut der Datenbank der Verkehrspolizei (GIBDD, Staatliche Inspektion für Sicherheit im Straßenverkehr) „Patrouille“ war das Auto von Buchenkov am 5. Mai 2012 um 16:46 bei der Videoüberwachungssystem in Moskau gesichtet. Das Auto fuhr neben dem Haus 56 am Chausse Entusiastow in der Richtung aus dem Zentrum Moskaus heraus. Am nächsten Mal war Buchenkov’s Auto erst nach drei Tagen in der Hauptstadt gesichtet.

„Die Untersuchung verweist hauptsächlich auf die eigene Videoaufnahmen. Die meisten Einzelbilder in den Akten stammen aus diesen Aufnahmen und sind so ausgewählt wie es dem Untersuchungsbeamten nötig war. Zum Beispiel aus irgendeinem Grund interessierte er sich gar nicht für die Einzelbilder, auf denen die Kapuze und die Mütze von diesem Mann runtergefalllen sind und man sieht, dass er dunkles und lockiges Haar hat, wobei das Haar von Buchenkov mittelblond und glatt ist. Das alles gibt es in den Akten, hat aber gar keine Interesse bei der Untersuchung geweckt“, – erzählt der Rechtsanwalt Ilia Nowikov.

„Und die Experten sagen, weil man wegen der Qualität der Video das Messverfahren nicht zu verwenden ist, also man kann nicht gut genau seine Gesichtskarte nach den Punkten vermessen und zeichnen, was heutzutage die beste Methode für die Porträt-Expertise ist, deswegen haben sie die Expertise aufgrund der visuellen Vergleichung gemacht. Das heißt: die Nase scheint irgenwie ähnlich zu sein,  also schreiben wir: ähnlich. So ist ihre Expertise.“ – sagt Nowikov.

Die Fachleute aus Nord-westlichen Zentrum der unabhängigen Expertise und Methodologie sowie aus Bureau für Gutachten und Beratung „Kolchuga“, die die Aufnahmen von dem Bolotnaja-Platz mit den Fotos von Buchenkov verglichen haben, sind zu dem Ergebnis gekommen, dass  der Mann mit der Mütze und der Kapuze von dem Bolotnaja-Platz nicht Buchenkov, sondern jemand anderes ist.

Die Anklage basiert auf die Aussagen von geheimen Zeugen und von Polizeibeamten. Im Fall Buchenkov gibt es sechs Polizeibeamten als Verletzte (insgesamt sind es in den Akten 91).

Einer von den geheimen Zeugen wurde in den Akten Sergei Gerasimov ganannt. Ein Mensch mit demselben Decknamen hat Aussagen gegen den Antifaschisten Alexei Gaskarow abgegeben, der letztendlich in dem Bolotnaja-Prozess zu 3,5 Jahren in der Strafkolonie verurteilt war.

Am 5. März 2017 hat das Gericht den Verfolgten der Bolotnaja-Prozess Dmitri Buchenkov aus dem Untersuchungshaftanstalt in den Hausarrest entlassen. Den Arrest soll er in der Stadt Aprelevka in der Oblast Moskau verbringen.

 

Wenn Sie einen Rechtschreibfehler gefunden haben, benachrichtigen Sie uns bitte, indem Sie den Text auswählen und drücken Sie dannStrg + Eingabetaste.